Dienstag, 25. Mai 2010

Trivia: Man versteht sich irgendwie – oder auch nicht


Einer der beeindruckensten Umstände hier ist, wie ihr vielleicht schon rausgelesen habt, die Verständigung unter den Menschen. Egal wen man trifft, woher derjenige kommt, Kommunikation läuft immer zielstrebig in mehr oder weniger gutem Englisch ab.

Jetzt habe ich es aber letzte Woche geschafft, meinen norwegischen Mitbewohner mal gehörig auf Deutsch zuzutexten. Was ich genau gesagt habe und wie viel, das kann ich noch nicht einmal mehr sagen. Ich bin schon froh (oder auch nicht), dass es überhaupt einen Zeugen für dieses Gespräch gibt. Wie es sich ereignet hat, kann ich ja mal hier kurz in der Trivia-Sektion kurz schildern.

Wer mich kennt und schon mal am frühen Morgen das Vergnügen mit mir hatte, der weiß sicher, dass mein Gehirn eine ganze Weile braucht, bis es aus seinem Standby/Schlaf-Modus hochgefahren und  zu alltäglichem Handeln und Konversationen in der Lage ist. Jetzt musste Kim, mein Mitbewohner, letzte Woche aber vor mir raus für eine Vorlesung. Irgendwie hat er es kurz vor dem Verlassen des Raumes geschafft, mich wach zu machen. Passiert schon mal, ist aber nicht weiter schlimm. Dieses Fazit kann ich nun rational einige Tage später beschwerdefrei vortragen. Über die psychologischen Vorgänge in meinem Motherboard an diesem Morgen, kann ich aber nur spekulieren. Ich gehe mal davon aus, dass mein Hirnareal, das für das Sozialisieren mit anderen Menschen und die paar wenige gute Manieren zuständig ist, zusammen mit dem Geräusch des Türgriffs schlagartig hochgefahren ist und einfach mal morgens um neun Uhr Glänzen wollte. Mein Sprachzentrum hingegen (in dem das Englische auf jeden Fall Stück weiter hinten eingelagert ist als meine Muttersprache) befand sich aber gerade noch unter dem Kopfkissen auf der Lesben-Wolke am Milchshake-Pool. Dieser Umstand muss dann auf jeden Fall dazu geführt habe, dass ich wahrscheinlich einen fröhlichen Small-Talk in mittelmäßigen deutsch angestimmt habe. Wenn Kim und ich uns morgens begegnen, geht es meist immer nur kurz um Uni, Vorlesungen und die obligatorische Frage, wann man denn gedenkt wieder im Apartment einzutrudeln. Es ist gut möglich, dass ich das ganze Programm einfach mal in Deutsch abgespult habe. Ich jedenfalls, weiß nichts mehr!

Denn selbstverständlich ist mein Körper nachdem Kim zur Tür raus war wieder in einen komatösen Tiefschlaf gefallen – erwartungsgemäß. Der einzige Grund warum ich diese Geschichte überhaupt aufarbeiten und recherchieren konnte, spielte sich zwei Tage nach dem eigentlichen Vorfall ab. In irgendeiner überdurchschnittlich langweiligen Vorlesung hatte ich plötzlich das Bild von meinem Mitbewohner vor Augen wie er vor mir steht, bei meinen ersten Sätzen noch freundlich lächelt, obwohl er eigentlich los muss, und dann irgendwann den Satz „English, please!“ einschiebt. Allein diesen Satz werde ich so schnell nicht vergessen …

Als ich Kim mit diesem Erinnerungsfragment konfrontierte, erzählte er mir die Geschichte fröhlich lachend noch einmal nach. Schweinerei, wahrscheinlich hat er schon seiner ganzen norwegischen Sippschaft von seinem verwirrten deutschen Mitbewohner erzählt. So wollte ich nicht international berühmt werden. ;-)

Heute möchte ich einmal pädagogisch schließen:
Liebe Kinder, das Lesen dieses Beitrags kann weder den Besuch beim Neurologen, Neurochirurgen, noch beim Logopäden ersetzen. Die Kenntnisse des Autors über das menschliche Gehirn sind nämlich ebenso lückenhaft wie seine Erinnerungen an den besagten Morgen.

ChK

Die Trivia-Kategorie: Hier findet ihr gelegentlich Einträge, die nicht im direkten Kontext zu meinem Aufenthalt hier in Malaysia stehen. So zum Beispiel, kleine Geschehnisse, die ich beobachtet habe, witzige Fotos oder einfach nur Dinge, die mir auch überall sonst auf der Welt hätten passieren können. Bottom Line, Dinge, die euch auf jeden Fall interessieren, wenn nicht sogar zum Lachen bringen.

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