Sonntag, 30. Mai 2010

A Night Out


Ich bin der Ansicht, dass der Monat Mai in diesem Blog noch einen fünften Beitrag verdient hat. Ein weiteres Thema zu finden, ist hier auch nicht weiter schwer. Denn letzen Donnerstag habe ich endlich mal einen Einblick in das Malaysische Nachtleben bekommen.
Es war etwa 19.30 Uhr als ich von einer SMS geweckt wurde: „Hey Chris, Viktor here. […] U wanna go out tonight? Experience some malaysian nightlife.“  Viktor kenne ich vom Fußball hier. Ein ziemlich lässiger Typ. Also schnell die Planungen für die zwei ausstehenden Hausarbeiten einen weiteren Tag nach hinten verschoben, meine Optik generalüberholt und schon konnte es los gehen.

Viktor hatte noch einen Uni-Kollegen im Schlepptau: Keong. Keong kommt aus Südkorea (sogar aus Seoul) und studiert schon seit sechs Jahren hier in Malaysia. Es hat in der Tat nur zwei bis drei Sätze gebraucht, bis wir uns alle sympathisch waren. Wenn ich genauer drüber nachdenke, sind Viktor und Keong die beiden ersten Studenten, die ich hier kennenlerne, die nichts BWL-orientiertes studieren. Beide studieren nämlich Grafik-Design an der One Akademie hier ganz in der Nähe. So hat Viktor zum Beispiel auch seinen etwas unkonventionellen Hut gerechtfertigt: „We art-students like to express ourselves.“ – gebongt. Der Südkoreaner in unserem Trio ist dabei auch ein interessanter wie gesprächiger Charakter. Mir begegnen Tag für Tag eigentlich jede Menge ironische wie auch paradoxe Dinge (zumindest in meinem Kopf werden sie zu solchen), aber der hier ist echt nicht schlecht: Keongs Vater hat in Korea eine Milchfarm (nennt man das in Deutschland einfach nur „Bauernhof“?) – Keong selbst ist aber Laktose-intolerant. Das ist ärgerlich, schmunzeln musste ich aber trotzdem.



Eine Bar mit Namen „The Library“ war das Ziel des Abends. Eine beliebte Bar unter Studenten mit solidem Konzept. Der Grund für die Popularität liegt hierbei auf der Hand: So kann man schließlich für die Zeit seines Aufenthalts den Satz „Ich bin noch in der Bibliothek!“ immer wieder nützlich in Telefon-Gespräche oder SMS einbauen.
Einen Anlass gab es auch. Ein Freund von Viktor hat seinen 23. Geburtstag gefeiert.


Malaysische Trinkgewohnheiten sind dabei aber etwas anders als ich es gewohnt bin. Während man in Deutschland eher dazu neigt, seine Getränke nach und nach in Runden zu bestellen, wird hier eher langfristig geplant und bestellt. Drei Flaschen Johnny Walker Black Label mit unlimited Ice und Cola war unsere erste Bestellung. Eine Flasche Whiskey kommt hier mit etwa 250-300 RM etwas teurer im Vergleich zu anderen „Lebensmitteln“. Ich würde die Anzahl der Gäste dabei auf etwa 15 schätzen. (Foto: v.li. Viktor und Keong) 

Atmosphärisch war der Laden definitiv in Ordnung. Ich habe den ganzen Abend direkt vor der Klima-Anlage gesessen, die Live-Band war so laut, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte und ich habe mit einer Menge netten Leuten gequatscht und Spaß gehabt. In den zahlreichen Pausen der Band haben Viktor, Keong und ich einen interkulturellen Stammtisch ins Leben gerufen, der natürlich mit steigendem Alkoholpegel immer fundierter und hochwertiger wurde. Insgesamt hat jeden von uns der Abend nur 40 RM gekostet. Die drei ersten Flaschen gingen auf das Geburtstagskind und die vierte Flasche, die wir nachbestellt haben, wurde zumindest 
finanziell ordentlich geteilt. In solch einer sozialistischen Trinkkultur geht natürlich nichts über eine gute Individualtaktik. So haben wir im Laufe des Abends unsere Sitzplätze nur für Toilettengänge verlassen – lohnend. (Foto: v.re. Viktor und ich)
Ehe wir zum ersten Mal angestoßen hatten, ging mir immer wieder die Tatsache durch den Kopf, dass einigen Asiaten ein Enzym fehlt, das Alkohol abbaut und somit einen schnellen Systemabsturz verhindert. Keong hat mich da aber eines Besseren belehrt. Der Typ hat den ganzen Abend lang sogar einen Bogen um die Cola gemacht und war immer der Erste beim Nachschenken! Gut im Training der Mann.

Viktor hat übrigens noch einen Zwillingsbruder: Niklas. Ganz böse Sache. Als sich Niklas nämlich zu uns an den Tisch gesetzt hat, habe ich mir  fünf Minuten den Kopf darüber zerbrochen, warum und wie schnell Viktor denn sein Hemd gewechselt hat. Sachen gibts ...
In eine ähnliche Kategorie fällt meine Begegnung mit einer Malaiin, die wirklich richtig gut Deutsch sprechen konnte. Auf dem Weg zur Toilette habe ich eigentlich einen ihrer Freunde kennen gelernt, der mich -wie so viele hier- nach meinem Heimatland gefragt habt. Hin und her, plötzlich stand ich mit beiden am Tisch und habe ein bisschen in meiner Muttersprache gechattet. Ich weiß was ihr jetzt denkt, und sie sah auch wirklich nicht schlecht aus, aber ihr Freund saß direkt daneben. (Foto: Die Party-Crowd)


 So gegen 4 Uhr morgens sind wir dann quasi aus dem Laden gefegt worden. Irgendwann wollte das Personal dann auch mal Feierabend machen. Dabei versuchen Malaysier ähnlich wie Deutsche auch, einen alkoholhaltigen Abend mit einer ordentlichen Mahlzeit ausklingen zu lassen. Wir sind dann also gegen 5 Uhr in einem typisch malaysischen Restaurant eingetrudelt. Irgendein Idiot war auf der einzigen Toilette im Laden eingeschlafen und der Laden war so voll (um 5 Uhr!!! Ich liebe dieses Land!), dass uns der Kellner die Wartezeit schon in Stunden statt in Minuten vorgerechnet hat. Leider musste ich dann also auf mein Nasi Lemak verzichten und wir sind dort gelandet, wo auch in Deutschland die meisten feucht fröhlichen Abende enden: Bei McDonalds. Ich fand aber, es war dennoch ein durchweg gelungener Abend wie ich so bei meinen zwei Pancakes  vor mich hin sinnierte.  Irgendwann um diese Zeit wollte mir Keong dann übrigens noch verklickern, dass Südkorea ernsthafte Chancen auf den Gewinn der Weltmeisterschaft habe. Ich fragte ihn, welche Drogen er den Tag über so alles nehme und ob er jemals ein Fußballspiel im Fernsehen gesehen hätte.  Daraufhin wollte er das weiße Plastikmesser nicht mehr aus der Hand legen. Ich weiß gar nicht warum … (Foto: Make-Over für den Kunst-Unterricht)



Foto: Im 4 Uhr schon nach Hause?!

Ich habe noch mehr Fotos an diesem Abend geschossen als hier zu sehen sind. Die sind jetzt auch bei studiVZ zu finden. Ich hätte sie auch gerne bei facebook hochgeladen, aber auf den Bildern ist so eine Art Sperrvermerk zu finden. Da ich den beiden Jungs versprochen habe, die Bilder lediglich auf dem deutschen Markt zu veröffentlichen, fällt ein Upload bei facebook also flach. Zugegeben, ich kann die „Was in Vegas passiert, bleibt auch in Vegas“-Einstellung der beiden sogar irgendwie verstehen.

Also schaut euch schlau.

ChK

Kommentare:

  1. Schöne Fotos, bestimmt auch nette Freunde!

    Mama

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  2. Schöne Fotos, bestimmt auch nette Freunde!

    Mama.

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